01 Jun

Blog 91 „endlich wieder losfahr´n…“

Freitag, 13.05.22 Wir wollen nach Belgien zu Lisa, Fabien und Mila fahren. Es wird die erste Fahrt nach drei Monaten Krankenhaus und fünf Monaten „Reha“. Bevor wir losfahren bitte ich meine Hausärztin nochmal zu kommen. Die stellt leider wieder was unregelmäßiges fest und macht mir sofort einen Termin für Dienstag im Krankenhaus.

Trotzdem beschließen wir nach Belgien zu fahren. Wir brauchen einfach soziale Kontakte mit netten Menschen. Nach der blöden Geschichte mit dem Termin im Krankenhaus kann mich auch das Datum unseres Abreisetages nicht mehr schocken. Also rein in den Kutter, obwohl es Freitag der 13. ist. Mareike hat einen Stellplatz an der Mosel an einem kleinen Weingut gefunden. Telefonisch buche ich einen Platz für zwei Nächte. Es tut so gut wieder auf der Straße zu sein. Mein Vater erzählt mir mal, dass seine Vorfahren wohl Zigeuner waren. Mein Gefühl hinter´m Steuer sagt mir, dass er mir wohl mächtig was vererbt hat. Mareike macht ein Schläfchen und ich genieße die Fahrt mit unserer neuen „Routentante“ (würde Romana sagen). Es ist ein Garmin und speziell für Wohnmobilisten oder halt „Zigeuner“.

Wir kommen an der Mosel in Köwerich an und stehen mit noch vier Wohnmobilen auf einem kleinen, gemütlichen Platz hinter dem Haus des Weinbauers. Er führt dort eine kleine Straußwirschaft Namens „Offm´Herach“. Abends gehen wir bei ihm Essen. Er hat zwei Rotweine auf seiner Weinkarte. Einer aus dem Jahr 2017 und der andere aus 2020. Er lässt mich beide verkosten und mein nicht vorhandener Weinkennergeschmack sagt mir, das beide Weine sehr unterschiedlich schmecken. Ich frage ihn was der Unterschied ist, darauf er „keiner“!!! Es wären die selben Reben vom gleichen Weinberg nur das Jahr wäre der Unterschied. Der eine Wein ist sehr taninhaltig und der andere eher leicht und fruchtig. Da kann man mal sehen was das Wetter, sprich die Sonne ausmacht. Ich entscheide mich für den leichten Wein und nehme beim gehen auch noch zwei Flaschen mit. Wir sollen für alles zusammen 45.- € zahlen. Da er Geburtstag hat und allen Gästen noch einen Sekt ausgibt, geb ich im 50.- € und sage stimmt so. Darauf er „das ist zuviel, dafür mal ich euch noch ein Porträt von euch beiden. In kaum 10 Sekunden hat er auf seinem Bezahlblock unser Portät gezeichnet und wir haben alle viel Spaß mit ihm und seinem Ergebnis.

Die Nacht ist total ruhig, obwohl wir an der Mosel sind und die Straße direkt vor der Straußwirtschaft verläuft. Am nächsten Tag machen wir einen Spaziergang durch die Weinberge. Auf der gegenüberliegenden Seite der Mosel ist ein Startplatz für Gleitschirmflieger und so gibt es viel zu sehen. Am Nachmittag gehen wir in die Nachbarstraußwirtschaft und fragen dort nach Eis. Tatsächlich sagt die Frau sie hätte Caretta – das Heldeneis aus meiner Kindheit. Meine Oma führte über Jahre den Kiosk im Schwimmbad unseres Ortes und wenn ich dem Schöller Eismann morgens beim Ausladen half bekam ich immer ein Caretta. Nun sitzt ich an der Mosel und plötzlich fallen mir all die alten Geschichten rund um´s Schwimmbad ein. Frei, Fahrten, Jugend, Grund – und DLRG Leistungsschein wurden dort gemacht und wenn der Bademeister Helmut zum Mittagessen ging, wurde einer aus unsere Gruppe zur Beckenaufsicht gerufen. Tolle Erinnerungen an eine tolle unbeschwerte Jugend.

Mareike geht duschen und ich bleib in der Kneipe sitzen, denn es gibt eiskaltes Bitburger aus Tonkrügen. Ich kann mein Glück kaum fassen. Abends essen wir, noch immer in der Kneipe sitzend, Chicken Nuggets mit Pommes. Herz was willst du mehr, wenn man in der Jugend schwelgt.

Wir verlassen nach zwei Tagen diesen ruhigen netten Platz und es geht weiter über Trier nach Belgien.

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